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Mitglieder- versammlung des Fördervereins am 27. Juni um 19.00 Uhr im Aufenthaltsraum der Schule

   

„Wasser, Land und Leute“

Studienfahrt ins Languedoc

Das Languedoc: jahrhundertelang eine eigene Welt zwischen den großen Machtzentren der französischen und der spanischen Krone, Rückzugsort für politische Flüchtlinge und religiöse Aussteiger aller Art. Zugleich am Puls des wichtigsten Handelsweges zwischen Ost und West, der antiken Via Domitia, und weit weg von allem Städtischen mit den grandiosen Schluchten und kalkigen Hochebenen der Cevennen gelegen.

Das Zentrum Montpellier wird überhaupt erst um 1000 n.Chr.. aus der Wiege gehoben und durch die günstige Lage schnell groß, wohlhabend und ein Ort einmalig fruchtbaren Zusammenspiels jüdischer, muslimischer und christlicher Kaufleute und Wissenschaftler. Die 1220 gegründete medizinische Schule, bereits um 1280 zur Universität erhoben, zieht viele große Geister aller drei Kulturen an und kommt schnell zu einem europaweit guten Ruf. Die Stadt gehört noch bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts zum Königreich Mallorca. Mit dem Verkauf an die französische Krone 1349 rundet diese das in den jahrhunderte-langen Ketzerkriegen gegen Katharer und Albigenser Stück für Stück nach Süden erweiterte Territorium mit diesem, dem zweitwichtigsten Zentrum nach Paris ab. Als die Stadt im Zuge der Reformation bedeutender Rückzugsort der Hugenotten wird, erleidet sie weitere Kriegszüge des Königs, bis dieser 1693 den katholischen Glauben zur Staatsreligion erhebt und die Hugenotten zu Hunderttausenden aus Frankreich fliehen. Erst im 19. Jahrhundert wächst Monpellier wieder durch die Industrialisierung und wird in den 60iger Jahren des 20. Jhdts. nochmals Ziel einer Fluchtbewegung:   nach dem Ende des Algerienkrieges strömen zahlreiche frankophone Algerier in die Stadt, die dann in den 70iger Jahren durch ein bedeutendes Neubauprojekt im postmodernen Stil (Antigone) stark erweitert wird.

2009_Studienfahrt_Languedoc1 Ortsdurchfahrt Montpeyroux
2009_Studienfahrt_Languedoc10 Moulin de la Foux
2009_Studienfahrt_Languedoc11 Timo im Hérault
2009_Studienfahrt_Languedoc12 Pont de Diable
2009_Studienfahrt_Languedoc12b PdD
2009_Studienfahrt_Languedoc2 Montpellier-Antigone, zentrale Achse
2009_Studienfahrt_Languedoc3 Angekommen am Camphotel
2009_Studienfahrt_Languedoc4 An den Cascade ..
2009_Studienfahrt_Languedoc4b An den Cascade
2009_Studienfahrt_Languedoc5 Cromlech de Lacam
2009_Studienfahrt_Languedoc6 Zentraler Menhir
2009_Studienfahrt_Languedoc7 Gottesanbeterin
2009_Studienfahrt_Languedoc8 Cirque de Navancelle
2009_Studienfahrt_Languedoc9 Franz über dem CdN
Die erste Rundfahrt von unserem „Camphotel“ in St. Bauzille direkt am Ufer des Hérault aus führt uns in die Cevennen: Vorbei an den Cascade de Saint Laurent kurbelt unserer Fahrer („Der Franz“) den Bus durch endlose Serpentinen hinauf auf die trockene Hochebene des Causse de Blandas, eine weite, wenig bewachsene und nur leicht hügelige Landschaft, deren hauptsächliche Bewohner Schafe sind. Interessant für uns sind die Spuren einer steinzeitlichen Kultur, die in einem weitgehend ebenen Becken einen Steinkreis aus 46 Steinen hinterlassen hat, der Cromlech von Lacam de Peyrarines. Die strenge Geometrie der Anlage, deren Mitte bei einem Durchmesser von 120 m exakt durch einen 2,15m hoher Menhir markiert wird, weist auf einen gestalterischen Willen hin, der die kreisförmige Fläche von der umgebenden Landschaft abzugrenzen suchte. Zu welchem Zwecke wissen wir allerdings nicht, die Forschung konnte bei vergleichbaren Anlagen in ganz Europa immer wieder Hinweise auf kalendarische und kultische Funktionen finden. Die Konfrontation mit dieser 3000-5000 Jahre alten Architektur spaltet uns sofort in drei Gruppen: Die eine sucht fleißig nach den zahlreichen Gottesanbeterinnen, die die Anlage bewachen und deutet das Gehege daher als frühzeitliche Forschungsanlage zum Klimawandel, die zweite spürt den uralten Wasseradern nach, die solche Bauten focussiert haben könnten, die dritte dokumentiert intensiv den touristischen Blick in die Vergangenheit: „Ich vor dem Stein“... Nicht weit davon geht der grandiose Blick in die ehemalige Schlucht der Vis am Cirque de Navacelles. Hier ist das Kalkplateau großflächig eingebrochen, der Fluß taucht erst an der Moulin de la Foux tief unten in einer versteckten Falte wieder auf, zu der wir eine halbe Stunde laufen. Am Abend des ersten Tages treffen wir den Hérault am Austritt aus den Cevennen unter der Pont de Diable zu einem dämmerigen Bad wieder...

2009_Studienfahrt_Languedoc13 Paddeln auf dem H
2009_Studienfahrt_Languedoc14 P a d H
2009_Studienfahrt_Languedoc13 Paddeln auf dem H
2009_Studienfahrt_Languedoc14 P a d H
Der zweite Tag ist ganz dem Kräftemessen mit dem Hérault und der Sonnenglut gewidmet: professionell ausgerüstet und zum Einsatzort chauffiert steigen wir einige Kilometer oberhalb des Camphotel in die gelben Boote und folgen dem französischen Guide durch zahlreiche Stromschnellen und eine grandios Felsenlandschaft.. Am Abend kann manch einer das Paddel nicht mehr halten....

2009_Studienfahrt_Languedoc15 Im Hafen von Sète
2009_Studienfahrt_Languedoc16 Am Strand von Palavas
2009_Studienfahrt_Languedoc17 La Grande Motte
2009_Studienfahrt_Languedoc18 Aigues-Mortes
2009_Studienfahrt_Languedoc19 Unterhalb der Höhle
2009_Studienfahrt_Languedoc20 In der Höhle
2009_Studienfahrt_Languedoc21 Am Ausgang der Höhle
Am dritten Tag folgen wir dem Ruf des Meeres, es soll darum gehen, wie die Menschen am Wasser ihr Brot verdienen. Der romantische Hafen von Sète und sein turbulenter Wochenmarkt geben die Einstimmung, der faszinierende Strand von Palava les Flotes lässt ölige Ruhe über gereizter Haut aufsteigen... La Grande Motte wird auf Busreifen durchwandert und wir lernen, wie viele Sonnenanbeter man als französischer Architekten der 60iger Jahre des vorigen Jahrhunderts übereinander aufs Kreuz legen konnten. Da hat das Mittelalter ganz andere Dimensionen zu bieten: eine ganze Hafenstadt nur für zwei Kreuzzüge, die so schnell verlandete, dass sie vor lauter Unwichtigkeit bis heute unzerstört erhalten blieb, der„heilige“ Erbauer kehrte nie zurück. So bleibt den zahllosen Flamingo- und Schokoladenliebhabern nur der hemmungslose Konsum in Aigues-Mortes. Immerhin: Die Krone der Stadtmauer liegt in 190 Stufen Höhe und ist rundherum begehbar!

Am vierten Tag endlich gehen wir den Gerüchten über tiefgehende Hohlräume in den umliegenden Kalkfelsen auf den Grund: eine echte Herausforderung, der nicht jeder gewachsen ist... Dank professioneller Ausrüstung und Einweisung aber überleben alle, die den Mut haben, sich durch schmale Spalten zu quetschen, unterirdische Flüsse zu durchwaten und sich 10m in die Tiefe abzuseilen. Das abschließende Bad bereut so mancher, der danach erst das Ergebnis der Wasseranalysen checkt: schaumiger Klärschlamm allenthalben...
Wer in Sète und Aigues-Mortes noch nicht genug eingekauft hat, bekommt am letzten Tag Gelegenheit dazu auf dem Wochenmarkt im Marktflecken Ganges, den Hérault aufwärts. Die kleine Minderheit, die eher hungrig nach Stadtluft und kulturellen Hightlights ist, bewegt sich in entgegengesetzter Richtung und genießt die Kontraste von Montpellier: die Gassen der Altstadt, das nach dem Louvre wichtigste Kunstmuseum Frankreichs, den Triumphbogen Ludwigs XIV. zum Sieg über die Hugenotten (ohne jeglichen Hinweis auf die Opfer der jahrhundertelangen Religionskriege!) und die pompöse Magistrale von Antigone, die sozialen Wohnungsbau hinter historisierend verspielten Betonfassaden versteckt, durchmischt mit Brunnenanlagen und Skulpturen.

   
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